Warum muss es immer Gewalt an Frauen sein?

Am 26. Februar 2018 wurde beim Deutschlandfunk ein Interview zwischen Sonja Hartl und Andrea Gerk veröffentlicht. Es geht um Sexualisierte Gewalt gegen Frauen, die speziell in Krimis stattfinden. Hier weist die Krimispezialistin Hartl darauf hin, dass der Krimi mit seiner sexualisierten Gewalt gegen Frauen den männlichen Voyeurismus bedienen könnte. Schlussendlich bringt sie schließlich auf den Punkt, was immer gern übersehen wird. Es gibt zu viel Gewalt gegen Frauen. Wir haben also ein gesamtgesellschaftliches Problem. Diese Erkenntnis ist nicht neu, das ist bedauerlich. Gewalt als Dauerbrenner in der gesellschaftlichen Diskussion ist ein Zustand, der kritisch betrachtet werden muss. Welche Auswege kann es geben? Bundesregierung und Privatinitiativen bemühen sich seit Jahren, Aufklärung und Schutz zu bieten. Immer weider entstehen neue Ideen. Jüngst wurde auf Mallorca ein Hotel „nur für Frauen“ eröffnet. Selbstverteidigungskurse haben Hochkonjunktur. Doch das Bild ändert sich kaum. Nach Statista.de verändert sich die Situation nicht zum Positiven. Matthias Brandt spricht von einem „unterschätzten Problem“. „Gewalt ist für zehntausende Frauen in Deutschland eine alltägliche Erfahrung, wie die rund 82.000 Fälle von einfacher und schwerer Körperverletzung nahelegen.“ (Quelle: Brandt, 2016, https://www.t-online.de/leben/familie/id_82772232/bka-zahlen-gewalt-gegen-frauen-nimmt-deutlich-zu.html)

Welchen Einfluss haben die Medien auf dieses Phänomen? Sie liefern die Stereotypen „Weibliches Opfer“ und „männlicher Täter“ nur zu gern. Gerade die Krimiliteratur bedient sie regelmäßig. Da werden Frauen die Brustwarzen abgeschnitten und brutalste Vergewaltigungen lassen den Täter in Rage geraten. Bunte und detaillierte Beschreibungen sind keine Seltenheit. Frau hat oft Mühe, sich nicht zu übergeben. Findet hier nicht eine Art der Meinungsbildung statt? Wird den Zuschauern und Lesern nicht viel zu schlicht vermittelt, dass die Realität eben so ist? Gibt es einen Ausweg oder sind Krimis nur gut, wenn sie nach dem Motto „Sex sells“ konzipiert sind?

Weibsbilder hat sich der Frage angenommen und ein Gespräch mit Magda Fox geführt. In ihrem Debütroman arbeitet sie bewusst gegen den Strom. Sie stellt dar, dass auch sexualisierte Gewalt gegen Männer denkbar ist. Schon der Titel weist darauf hin, dass hier etwas anders ist. „Rollenspiele“ heißt ihr Krimi. Hier werden die Rollen nicht nur gespielt, sie werden getauscht. Koch, ein angesehener Gelehrter, wird Opfer. Er ist nicht weiblich, nicht arm, nicht schwach und nicht ungebildet. Aber er reagiert typisch. Die Verarbeitung des Verbrechens fällt ihm schwer. Er unterschiedet sich in seinem Leid nicht von einem weiblichen Opfer. Was hat Fox dazu bewogen, die „Rollenspiele“ zu schreiben?

Weibsbilder: Frau Fox, wie kamen Sie auf die Idee für Ihren Krimi?

Magda Fox: Ich habe einen Krimi gelesen, in dem einer behinderten jungen Frau die Brustwarzen abgeschnitten wurden. Das war der Punkt, an dem ich etwas ändern wollte.

Weibsbilder: Glauben Sie, mit Ihrem Buch die Welt zu verändern?

Magda Fox: Nein, verändern werde ich die Welt nicht. Das haben schon so viele versucht. Gewalt gegen Frauen ist immer wieder Thema in den Gesellschaften. Ich will sie ergänzen. Neben die schrecklichen Schilderungen weiblicher Qual stelle ich männliches Leid. So erhoffe ich mir, ein wenig Ausgleich zu schaffen.

Weibsbilder: Eine interessante Idee. Sie sagen also nicht, dass Sie sich an den weiblichen Opfern stören, sondern nur, dass es auch männliche Opfer gibt.

Magda Fox: Ja, so ist es gedacht. Männer wiegen sich in Sicherheit, denn die Gefahr lauert meist auf Frauen. Es könnte auch anders sein. In der Realität sind auch Männer oft Opfer von Verbrechen.

Weibsbilder: Ihr Buch haben Sie selbst herausgebracht. Gibt es dafür einen Grund?

Magda Fox: Ich habe es Agenturen angeboten. Einige Antworten waren sehr ehrlich und sehr deutlich: „Das Buch ist gut, aber das Thema wollen wir nicht anfassen.“ Ich hatte es bereits geahnt. Aber ich denke, es sollte gelesen werden. Ich hätte es lieber in einem großen Verlag, damit ich eine größere Zielgruppe erreiche. Aber die Gesellschaft ist vielleicht noch nicht so weit, dieses Tabu zu brechen.

Weibsbilder: Welches Tabu genau?

Magda Fox: Es herrscht die Meinung vor, dass Männern nichts passieren kann. Sie sind stark. Sie sind überlegen. Manche Männer mögen ihre eigene Schwäche nicht sehen.

Weibsbilder: Werden Sie sich ausschließlich mit diesem Thema befassen? Gibt es ein neues Projekt?

Magda Fox: Meine Heldin, Suse Michaelis, ist Traumatherapeutin. Sie arbeitet mit der Polizei zusammen. Außerdem ermittelt sie gern ein bisschen mit. Ich wollte eine Heldin schaffen, die dem Leser erklären kann, wie schlimm Gewalt sich auswirkt. Meine Absicht ist, dem Verbrechen ein wenig von seiner Faszination zu nehmen. Dabei kann es trotzdem spannend bleiben. Ich bin aber überzeugt, Gewalt darf keinen Hype erzeugen. Ein guter Krimi braucht mehr als nur ekelerregende Bilder.

Weibsbilder: Dann freuen wir uns auf den nächsten Fall von Suse Michaelis. Frau Fox, Sie haben den Leserinnen und Lesern von „Weibsbildern“ etwas mitgebracht?

Magda Fox: Ich habe drei signierte Exemplare der Rollenspiele. Die überlasse ich Ihnen, damit sie in die richtigen Hände kommen.

Weibsbilder: Vielen Dank. Wir werden uns etwas ausdenken…. Herzlichen Dank für das Gespräch, Frau Fox.

Magda Fox: Sehr gern. Und viel erfolg mit Ihrer Arbeit.

Die drei Exemplare des Krimis „Rollenspiele“ werden in den nächsten Tagen auf diesem Blog verlost. Folge dem Blog, um es nicht zu verpassen.

  Rollenspiele: Ein Kriminalroman 

Kindle Edition, kostenlos lesen über KindleUnlimited

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